Shooting im Ausland – kulturelle Codes und Do’s & Don’ts

Einleitung

Warum jedes Land ein anderes Set ist

Als Fotograf:in reist du nicht nur geografisch, sondern kulturell. Jedes Land bringt eigene Regeln mit – oft unausgesprochen, manchmal streng, manchmal subtil. Und genau diese Regeln entscheiden, ob ein Shooting gelingt oder scheitert.

Es geht nicht nur darum, gutes Licht zu finden. Es geht darum, Respekt zu zeigen, Vertrauen aufzubauen und Stolperfallen zu vermeiden. Denn nichts zerstört schneller ein Projekt als kulturelle Missverständnisse.

Dieses Kapitel zeigt dir, wie du dich in fremden Kulturen bewegst – nicht als Tourist mit Kamera, sondern als Profi, der Codes versteht, respektiert und nutzt.

1. Kultur als unsichtbare Location

Ein Set ist nie nur ein Raum. Es ist auch ein kulturelles Gefüge.

  • In Japan bedeutet Pünktlichkeit Respekt.

  • In Brasilien zählt Herzlichkeit mehr als ein strenger Zeitplan.

  • In den USA wird Professionalität durch klare Verträge gemessen.

Dein Job: erkennen, wie Kultur den Rahmen für Fotografie setzt.

2. Vorbereitung – Recherche statt Improvisation

Bevor du reist, musst du wissen:

  • Welche Kleidung ist angemessen?

  • Welche Gesten sind tabu?

  • Welche Feiertage oder Rituale könnten relevant sein?

Eine Stunde Recherche kann dir Tage voller Stress ersparen.

3. Do’s & Don’ts nach Regionen

a) Asien

  • Do: Respekt vor Hierarchien. Chefs zuerst begrüßen.

  • Don’t: Nie den Kopf berühren (z. B. in Thailand).

b) Naher Osten

  • Do: Konservative Kleidung, auch bei Hitze.

  • Don’t: Keine zu offenen Gespräche über Religion oder Politik.

c) USA

  • Do: Klare Kommunikation, alles schriftlich.

  • Don’t: Lockeres Improvisieren ohne Absprache.

d) Lateinamerika

  • Do: Warmherzige Begrüßungen, persönliche Gespräche.

  • Don’t: Zu schnelle Distanz.

e) Europa

  • Do: Regionale Unterschiede beachten (Deutsche Präzision vs. südeuropäische Flexibilität).

  • Don’t: Ein Land mit dem anderen verwechseln.

4. Kleidung als Code

Deine Kleidung spricht – lange bevor du die Kamera ansetzt.

  • In konservativen Ländern: lieber zu formell als zu locker.

  • In kreativen Branchen: zu steif wirkt distanziert.

Merke: Dein Outfit ist Teil deiner Kommunikationsstrategie.

5. Sprache – mehr als Worte

Auch wenn Englisch oft funktioniert:

  • Ein paar Worte in der Landessprache öffnen Türen.

  • Körpersprache kann Brücken bauen – oder Mauern.

  • Humor ist kulturell unterschiedlich – vorsichtig einsetzen.

Sprache zeigt Respekt.

6. Teamarbeit im Ausland

Du arbeitest oft mit lokalen Crews.

  • Höre zu, bevor du leitest.

  • Erkenne ihre Expertise an.

  • Vermeide, alles nach deinem Standard zu bewerten.

Wer respektiert, wird respektiert.

7. Umgang mit Models

Models sind kulturelle Spiegel.

  • In manchen Ländern ist körperliche Nähe tabu.

  • In anderen wird Nähe erwartet.

  • Komplimente müssen kultursensibel sein.

Dein Fingerspitzengefühl entscheidet über Vertrauen.

8. Kundenperspektive

Kunden beobachten dich genau.

  • Wer kulturelle Codes kennt, wirkt professionell.

  • Wer sie ignoriert, verliert Respekt.

Ein Kunde in Tokio erwartet anderes Verhalten als ein Kunde in Rio.

9. Bürokratie und Rechte

  • In manchen Ländern brauchst du Shooting-Permits.

  • In anderen ist Straßenfotografie verboten.

  • Auch Drohnen-Regeln variieren stark.

Kulturelle Codes sind nicht nur soziale, sondern auch rechtliche Rahmen.

10. Storys aus der Praxis

a) Der Handschlag in Dubai

Ein Fotograf streckte einer Kundin die Hand hin. Sie lehnte ab. Missverständnis – aber peinlich. Hätte er die Regel gekannt, wäre das vermieden worden.

b) Das Lächeln in Tokio

Eine Crew war überrascht, wie still der deutsche Fotograf war. Erst als er lächelte und sich leicht verbeugte, öffneten sie sich.

c) Die Improvisation in Mexiko

Geplanter Shootingstart 9 Uhr. Tatsächlich: 11 Uhr. Statt zu schimpfen, ging der Fotograf ins Gespräch – Ergebnis: bessere Stimmung, bessere Bilder.

11. Food & Hospitality

Essen ist oft mehr als Verpflegung.

  • Eine Einladung zum Essen = Vertrauensbeweis.

  • Ablehnen kann unhöflich wirken.

  • Lokale Essgewohnheiten respektieren (z. B. kein Schwein, kein Alkohol).

Hospitality ist Kultur – nimm sie ernst.

12. Tabus und Fettnäpfchen

  • Nie über Politik in unsicheren Ländern sprechen.

  • Keine Witze über Religion.

  • Keine Annahmen („Ihr seid doch alle so …“).

Die goldene Regel: Beobachten, fragen, anpassen.

13. Energie-Management in fremden Kulturen

Kulturelle Unterschiede kosten Energie. Jetlag, neue Codes, Unsicherheit.
Dein unsichtbares Handgepäck: Geduld, Flexibilität, Humor.

14. Warum kulturelle Codes Kreativität fördern

Wer sich einfühlt, statt durchzusetzen, entdeckt neue Blickwinkel. Kulturelle Vielfalt inspiriert – wenn du sie zulässt.

15. Fazit: Kultur ist Teil deiner Kamera

Am Ende ist Kultur kein Hindernis, sondern ein Werkzeug. Wer Codes versteht, hat Zugang zu Menschen, Orten und Geschichten.

Do’s & Don’ts sind keine Einschränkung – sie sind dein Schlüssel zu Bildern, die sonst niemand machen könnte.