Transport von Equipment – sicher packen und clever deklarieren

Einleitung

Warum die Reise schon im Studio beginnt

Bevor du überhaupt in den Flieger steigst, am Bahnhof eincheckst oder ins Auto steigst, beginnt der entscheidende Teil deines Jobs: Dein Equipment muss reisen können. Kameras, Objektive, Licht, Stative, Laptops, Kabel – all das ist nicht nur teuer, sondern auch empfindlich, schwer und unersetzlich.

Und hier liegt der Unterschied zwischen Profi und Amateur:

  • Amateure packen.

  • Profis planen.

Denn Equipment-Transport ist keine Nebensache. Er ist eine Kunst für sich. Er entscheidet, ob du am Set souverän mit deiner Technik arbeitest – oder ob du verzweifelt in den Zollhallen, am Flughafen oder im Kofferraum suchst.

1. Die Grundregel: Packe für den Worst Case

Stell dir vor:

  • Dein Koffer geht verloren.

  • Dein Case fällt vom Gepäckband.

  • Der Zoll stellt Fragen.

Frage dich: Was brauchst du unbedingt, um trotzdem arbeiten zu können?
Das gehört ins Handgepäck. Alles andere ist Kür.

2. Handgepäck vs. Aufgabegepäck

  • Handgepäck: Kamera-Body, Lieblingsobjektiv, Laptop, Festplatten, Akkus, Speicherkarten. Alles, was unersetzbar ist.

  • Aufgabegepäck: Stative, Licht, Softboxen, Ladegeräte, Zubehör.

Merke: Airlines ersetzen verlorenes Gepäck mit Geld, aber nie mit Bildern.

3. Koffer, Cases und Systeme

a) Hardcases (Pelican, HPRC)

Unzerstörbar, wasserdicht, abschließbar. Pflicht für Flugreisen.

b) Rollkoffer (ThinkTank, Lowepro)

Perfekt für Handgepäck – Kameras und Laptops organisiert.

c) Taschen-System

Kleinere Units: lieber mehrere handliche Taschen als einen 40-Kilo-Monsterkoffer.

4. Gewicht & Maße – das Spiel mit den Airlines

Jede Airline hat eigene Regeln:

  • 8–12 kg Handgepäck.

  • 23–32 kg Aufgabegepäck.

  • Oversize für Stative oder Lichtcases.

Dein Job: Regeln kennen, Equipment darauf abstimmen.

Profi-Trick: Zubehör auf Crew verteilen – jeder trägt ein bisschen.

5. Akkus – der unterschätzte Faktor

Lithium-Ionen-Akkus sind kritisch:

  • Nie ins Aufgabegepäck.

  • Max. 100 Wh pro Akku (IATA-Regel).

  • Größere nur mit Airline-Genehmigung.

Immer im Handgepäck – und am besten einzeln in Schutzboxen.

6. Zoll & Deklaration

a) Carnet ATA

Das Zauberwort für internationale Jobs.

  • Offizielles Zolldokument.

  • Listet dein Equipment auf.

  • Erlaubt problemlosen Ein- und Ausfuhr.

b) Ohne Carnet

Risiko: Zoll denkt, du verkaufst Equipment. Ergebnis: Steuern, Strafen, Ärger.

c) Dokumentation

Seriennummern notieren, Fotos vom Equipment machen. Transparenz schützt.

7. Versicherungen

  • Transportversicherung: schützt im Transit.

  • Equipmentversicherung: gegen Verlust/Schäden.

  • Haftpflicht: wenn dein Equipment etwas oder jemanden beschädigt.

Versicherung ist nicht bürokratisch – sie ist Freiheit.

8. Clevere Pack-Strategien

  • Schwer unten, leicht oben.

  • Stoßschutz: Schaumstoff, Polster, Kleidung.

  • Doppelte Kabel – die gehen am häufigsten verloren.

  • Farbcodierung – markiere Taschen und Cases für schnelleres Handling.

Packen ist nicht Packen. Packen ist Struktur.

9. Improvisation: Wenn Equipment nicht ankommt

  • Mietstudios anfragen (vorab Kontakte knüpfen).

  • Lokale Rental-Firmen kennen.

  • Immer Backup-Lösungen im Kopf haben.

Profi heißt: nicht panisch werden, sondern improvisieren.

10. Transport im Auto

  • Equipment immer so verstauen, dass es nicht verrutscht.

  • Wertvolles nie sichtbar im Wagen lassen.

  • Temperatur beachten (Sommerhitze killt Akkus).

Auto ist flexibel – aber auch riskant.

11. Transport in der Bahn

  • Equipment nie unbeaufsichtigt lassen.

  • Schlösser und Kabelschlösser nutzen.

  • Sitzplatz in Equipmentnähe reservieren.

Bahn ist angenehm, wenn du organisiert bist – sonst Stress pur.

12. Transport im Flugzeug

  • Immer Handgepäck-Case bei dir behalten.

  • Vorab mit Airline klären: Kameras an Bord? Oversize?

  • Bei Check-in freundlich, aber bestimmt auftreten.

Dein Auftritt entscheidet oft, ob Personal dir entgegenkommt.

13. Team-Strategien

Wenn du mit Crew reist:

  • Aufgaben verteilen (wer hat was im Blick?).

  • Gemeinsames Packsystem.

  • Kommunikation bei Kontrollen.

Ein Team, das seine Cases kennt, ist schneller und sicherer.

14. Mindset beim Packen

Packen ist nicht langweilig – es ist Teil deines Jobs. Jede Minute, die du hier investierst, spart dir Stunden und Nerven am Set.

Frage dich:

  • Was ist kritisch?

  • Was ist ersetzbar?

  • Wo brauche ich doppelte Sicherheit?

15. Praxis-Storys

a) New-York-Drama

Kollege ohne Carnet, Zoll hielt ihn 4 Stunden fest. Shooting fast geplatzt.

b) Kapstadt-Erfolg

Alles im Carnet, Hardcases sauber beschriftet – Crew in 20 Minuten durch den Zoll. Kunde beeindruckt.

c) Bahnreise nach Berlin

Equipment ungesichert im Gepäckwagen. Verschwunden. Versicherung griff – aber der Job war weg.

16. Kleine Dinge, große Wirkung

  • Gaffa-Tape.

  • Mehrfachstecker.

  • Ersatzkarten.

  • Regenhüllen.

Oft sind es die Kleinigkeiten, die ein Shooting retten – oder zerstören.

17. Emotionale Seite des Transports

Viele Kreative lieben ihre Technik fast wie Menschen. Aber du musst sie auch loslassen können: Technik ist Werkzeug, kein Fetisch. Wer klug packt, schützt – wer klammert, verliert.

18. Nachhaltigkeit im Transport

  • Weniger Cases, mehr Effizienz.

  • Lokale Mietoptionen nutzen.

  • Carsharing statt Einzeltransport.

Auch Transport ist Teil deiner ökologischen Verantwortung.

19. Cleveres Deklarieren beim Kunden

Nicht nur beim Zoll – auch beim Kunden zählt Deklaration.

  • Transparenz bei Equipmentkosten.

  • Erklären, warum bestimmte Tools wichtig sind.

  • Nicht mit „Zauberkisten“ kommen, sondern nachvollziehbar.

So schaffst du Vertrauen.

20. Fazit: Packen ist Führung

Am Ende zeigt dein Umgang mit Equipment, wie du führst. Chaos beim Packen = Chaos am Set. Klarheit beim Packen = Klarheit im Job.

Transport ist nicht Nebensache. Transport ist Teil deiner Fotografie.