Alles ist verbunden – Interdisziplinäres Denken

Einleitung

Es war ein Job, der auf dem Papier klar klang:

Fashion Editorial. Studio. 5 Looks. Moodboard: „clean, cool, kontrolliert“.

Also baute ich auf: weiĂźer Hintergrund, zwei Lichtquellen, klassisches Setup.
Sicher. Berechenbar.

Und dann kam die Stylistin mit dem ersten Look –
aber was sie auspackte, war keine klassische Mode.
Es war Performance.
Ein Mix aus Secondhand, Statement-Pieces, Zitat und Trash.
Kein Outfit war vollständig. Jedes Teil wollte etwas sagen.Ich wusste sofort: Wenn ich das durchinszeniere, verliert es alles, was es hat.

Also packte ich das Set um.
Nur ein Licht. Weniger Kontrolle, mehr Bewegung.
Ich sagte zum Model: „Mach’s wie ein Reporterbild. Lauf rein, dreh dich, bleib nicht stehen.“
Und plötzlich war Energie da.
Die Klamotten flogen, das Licht war unperfekt, aber lebendig.
Ich fotografierte aus der HĂĽfte, in Bewegung, fast wie im Vorbeigehen.

Was raus kam?
Kein Fashion-Klassiker.
Aber eine Serie, die atmete.
Die erzählte.
Die sich nicht zwischen Reportage und Editorial entschied – sondern beides war.

Genau das war der Punkt.

Ich dachte an Leonardo –
wie er nie nur Maler war.
Wie er Anatomie studierte, um besser zu zeichnen.
Wie er Licht studierte, um besser zu denken.
Wie er nie fragte: „Gehört das dazu?“ –
sondern nur: „Dient es dem, was ich zeigen will?“

Fotografie ist heute genauso.
Die Grenzen sind längst durchlässig.
Die spannendsten Bilder entstehen oft da, wo Kategorien aufhören –
wo Mode plötzlich sozial wird, Reportage ästhetisch, Produktfotografie poetisch.

Und als Fotograf:in musst du das zulassen.
Du musst raus aus dem Schubladendenken.
Du darfst kombinieren, brechen, neu sortieren.

Denn am Ende geht es nicht darum, Regeln zu befolgen –
sondern die richtigen Mittel für den richtigen Ausdruck zu wählen.

Und die findest du nur,
wenn du bereit bist, alles zu verbinden.

10. Alles ist verbunden – Interdisziplinäres Denken

Was Leonardo tat:
Er verband Wissenschaft, Kunst, Philosophie – für ihn gab es keine Grenzen.

Was du als Fotograf daraus ziehst:
Stile mischen, Genres brechen, Neues wagen: Editorial trifft Reportage, Mode trifft Dokumentation.

Beispiel:
Du fotografierst ein Fashion-Shooting wie eine Reportage – roh, echt, mitten im Geschehen statt perfekt inszeniert.