Optik & Sehen – die Camera Obscura

Written by Eric P.
Einleitung
Es gibt diesen einen Moment beim Fotografieren, den du nicht planen kannst.
Es gibt diesen einen Moment beim Fotografieren, den du nicht planen kannst.
Du blickst durch den Sucher – und plötzlich spürst du: Jetzt stimmt alles.
Es war ein Porträtshooting in einem kleinen Künstleratelier.
Große Fenster, schräges Licht, alte Möbel.
Ich wollte Tiefe, wollte Intimität – aber irgendwie wirkten alle Testaufnahmen flach.
Zu viel Hintergrund, zu wenig Fokus.
Also wechselte ich das Objektiv.
Nichts.
Dann das Licht umgestellt.
Wieder nichts.
Erst als ich meine Kamera auf f/1.4 stellte und den Fokus ganz bewusst auf die Augen legte –
nicht einfach technisch, sondern mit einem klaren Sehen –
veränderte sich das Bild.
Plötzlich war nur noch der Blick da.
Der Hintergrund fiel weg, das Gesicht trat hervor wie aus Nebel.
Die Nase verschwamm, die Stirn war angedeutet –
aber die Augen…
Die Augen erzählten eine Geschichte.
Ich war nicht nur Fotograf in dem Moment.
Ich war Leser.
Und das Bild war eine Botschaft – reduziert auf das Wesentliche.
Erst später fiel mir ein:
Leonardo hatte schon mit der Camera Obscura experimentiert.
Er verstand das Sehen als etwas Aktives – als einen Prozess, bei dem nicht die Realität zählt,
sondern das, was wir auswählen zu sehen.
Fotografie ist genau das.
Nicht die Abbildung der Welt.
Sondern die bewusste Entscheidung, was im Fokus steht –
und was in der Tiefe verschwinden darf.
Sehen ist mehr als Schärfe.
Sehen ist Führung.
Reduktion. Konzentration.
Und wenn du es richtig machst,
sehen Menschen in deinen Bildern nicht nur das, was da ist –
sondern auch das, was fehlt.
Und genau das bleibt hängen.
4. Optik & Sehen – die Camera Obscura
Was Leonardo tat:
Er beschrieb die Camera Obscura, ein Vorläufer der Kamera – und erkannte, wie das Auge Bilder auf den Kopf stellt, wie Licht gebündelt wird.
Was du als Fotograf daraus ziehst:
Verständnis für Brennweiten, Lichtverhalten, Tiefenschärfe.
Du weißt: Sehen ist ein aktiver Prozess – was wir sehen, ist Interpretation.
Beispiel:
Du nutzt selektive Schärfe, um den Fokus genau dorthin zu legen, wo du Emotion lenken willst – Leonardo hat’s vorgedacht.
