Studium der Anatomie – echtes Verständnis für Körper

Written by Eric P.
Einleitung
Ich hatte mal ein Shooting mit einem Model,
das laut Agentur „super wandelbar“ war – was meistens heißt: hübsch, aber ein bisschen planlos vor der Kamera. Als sie vor mir stand, war klar: makellose Haut, perfektes Styling – aber die Posen? Steif wie ein Schaufensterpuppe mit Jetlag.
Früher hätte ich es runterfotografiert, ein bisschen Schulter hier, ein Lächeln da – passt schon.
Aber an dem Tag hatte ich was anderes vor. Ich wollte mehr Tiefe – und wusste: Wenn das Bild nicht lebt, liegt’s oft nicht an der Kamera, sondern am Körper.
Also hab ich’s langsam gemacht. Erst mal ein Gespräch. Dann kleine Hinweise: „Verlager mal dein Gewicht auf das linke Bein… Jetzt kipp die Schulter ein bisschen nach vorne… Stell dir vor, dein Brustbein wäre ein Lichtstrahl…“
Und siehe da – Bewegung. Spannung. Ausdruck.
Plötzlich war da ein Mensch. Nicht nur eine Hülle.
Was viele vergessen: Posing ist keine Choreografie. Es ist Anatomie.
Leonardo wusste das. Der hat Leichen seziert, um zu verstehen, wie Muskeln funktionieren – und bei mir reicht es schon, beim Shooting kurz in die Körpersprache reinzuhören.
Am Ende entstand ein Bild, bei dem sie halb im Schatten steht, mit gesenktem Blick – ein Moment, ganz leise, aber voller Haltung.
Das war kein Zufall. Das war Körpersprache. Und das war der Moment, in dem ich verstanden habe: Wenn du nicht weißt, wie ein Körper „spricht“, wird dein Bild immer schweigen.
2. Studium der Anatomie – echtes Verständnis für Körper
Was Leonardo tat:
Er sezierte Leichen und zeichnete Muskeln, Bewegungsabläufe, Gesichtsmuskulatur – nicht aus Neugier, sondern um Menschen richtig und glaubwürdig darzustellen.
Was du als Fotograf daraus ziehst:
Körperhaltung verstehen und lenken: Wissen, wann ein Model verspannt ist.
Posing gezielt steuern: Schulterachsen, Gewichtsverlagerung, Blickführung – alles basiert auf Anatomie.
Beispiel:
Bei einem Beauty-Shooting bringst du das Kinn leicht nach vorne, weil du weißt: Das verlängert den Hals, strafft das Kiefer – Leonardo wäre stolz.
