Fehler als Teil des Prozesses

Einleitung

Es war mein erstes großes Outdoor-Fashion-Shooting.

Ein kleines Budget, aber ein großer Anspruch: eine Designerin, die mit ihrer Kollektion endlich aus dem Schatten treten wollte.
Sie hatte klare Vorstellungen – und ich auch.

Wir wollten goldenes Abendlicht, Bewegung, Leichtigkeit.
Die Location: eine weite Wiese am Stadtrand, hochgewachsenes Gras, Sonnenuntergang im Rücken.

Und dann kam der Regen.
Kein dramatischer Sturm, der irgendwie künstlerisch wirkt.
Sondern ein grauer, gleichmäßiger Nieselregen –
zu viel für ein Lächeln, zu wenig für ein Statement.

Mein Set war durchnässt.
Der Reflektor kippte um.
Die Schuhe des Models versanken im Boden.

Ich war kurz davor, abzubrechen.

Aber dann sah ich, wie die Designerin einen ihrer eigenen Mäntel über das Model legte,
wie sie ihr dabei eine Strähne aus dem Gesicht strich –
und das Model begann zu lachen.

Nicht professionell.
Nicht inszeniert.
Ein ehrliches, nasses, ungeplantes Lachen.

Ich hob die Kamera.
Und drückte ab.

Danach fotografierten wir weiter – nicht das geplante Programm,
sondern das, was sich ergeben hatte:
Schuhe in der Hand, Haare im Gesicht, Stoffe, die sich an die Haut legten,
Blicke, die sagten: „So war das nicht geplant.“

Und genau das war es.
Echtheit.
Bewegung.
Fehler – aber voller Leben.

Später wählte die Designerin genau diese Bilder für ihre Präsentation.
Nicht die „schönen“.
Sondern die echten.

Leonardo hat Skizzen gemacht, bei denen Perspektiven nicht stimmten.
Studien, die ins Nichts führten.
Aber er war sich nie zu schade, Fehler als Fortschritt zu begreifen.

Und das gilt auch für uns.

Nicht jedes Shooting muss perfekt sein.
Nicht jedes Konzept muss halten.
Manchmal entsteht das Beste, wenn der Plan scheitert.

Weil du dann zuhören musst – dem Moment, dem Licht, dem Menschen.
Und nicht nur deiner Vorstellung.

14. Fehler als Teil des Prozesses

Was Leonardo tat:
Viele seiner Skizzen und Entwürfe zeigen Irrtümer, Sackgassen – und sind trotzdem wertvoll.

Was du als Fotograf daraus ziehst:
Nicht jedes Shooting muss perfekt sein. Fehler sind Entwicklung, Entdeckung, Wachstum.

Beispiel:
Dein erstes Outdoor-Fashionshooting bei Regen läuft nicht wie geplant – aber du lernst, Flexibilität und Improvisation als Stärke zu nutzen.