Kritikfähigkeit und Weiterentwicklung

Einleitung

Warum große Fotografen nicht die sind, die nie scheitern – sondern die, die nie aufhören zu wachsen

Fotografie ist ein ständiger Dialog – mit der Welt, mit dem Licht, mit den Menschen.
Und vor allem: mit dir selbst.

  • Wer glaubt, schon „fertig“ zu sein, stagniert.

  • Wer Angst vor Kritik hat, schützt sein Ego – aber nicht seine Entwicklung.

  • Wer bereit ist, seine Arbeit ehrlich anzuschauen, wächst über sich hinaus.

Kritikfähigkeit ist keine Schwäche.
Sie ist die stillste, aber stärkste Superkraft eines echten Fotografen.

Große Fotografen sind nicht die, die nie Fehler machen.
Es sind die, die aus jedem Fehler eine neue Lektion ziehen.

Geschichte: Der Tag, an dem ein Satz mein ganzes Denken änderte

Ich erinnere mich an eines meiner ersten größeren Editorials.
Ich war stolz wie Bolle:
Coole Location, gutes Licht, motiviertes Team.

Ich fühlte mich sicher.
Vielleicht ein bisschen zu sicher.

Als ich die fertigen Bilder dem Art Director zeigte, nickte er höflich.
Er sagte nichts Schlechtes – aber auch nichts wirklich Begeistertes.

Dann – nach einer langen Pause – sah er mich an und sagte:

„Technisch sauber. Aber wo ist deine Handschrift?
Wo ist das Bild, das nur du machen würdest – und niemand sonst?“

Zuerst war ich verletzt.
Ich hatte doch alles richtig gemacht!
Belichtung top. Komposition solide. Stimmung okay.

Aber als ich später allein die Strecke nochmal anschaute,
sah ich es:
Die Bilder waren korrekt.
Aber sie waren beliebig.

Sie hätten von jedem Fotografen stammen können.
Sie waren nicht schlecht – aber sie waren auch nicht besonders.

Das war der Moment, der alles änderte.

Statt mich zu ärgern, fing ich an zu fragen:

  • Was will ich wirklich erzählen?

  • Was fühle ich bei diesem Set, diesem Licht, diesem Menschen?

  • Wie kann ich Bilder machen, die nicht nur korrekt – sondern meine sind?

Von da an arbeitete ich anders.
Mutiger.
Persönlicher.
Manchmal schiefer, manchmal unperfekter – aber echter.

Und mit jedem Shooting wuchs meine Handschrift.

Nur weil ich bereit war, nicht beleidigt zu reagieren – sondern hinzusehen.

Kritik ist kein Angriff.
Sie ist ein Spiegel.
Und wer den Mut hat, hineinzuschauen,
findet den Weg zu sich selbst – und zu seinen stärksten Bildern.