Was haben Fussballer und Fotografen gemeinsam ?

Written by Eric P.
Einleitung
Eine Haltungsfrage ….
Stell dir vor, du stehst auf einem grünen Rasen, das Stadion brummt, der Ball rollt. In deinem Kopf: Fokus. In deinem Körper: Spannung. Und jetzt: Stell dir vor, du stehst mit der Kamera in der Hand, das Licht ist weich, der Moment flüchtig. Du atmest ein, hältst fest – klick. Zwei Welten? Auf den ersten Blick vielleicht. Doch schau genauer hin: Fußballer und Fotografen haben erstaunlich viel gemeinsam.
Beide sind auf einer Reise, die viel tiefer geht als bloß Ballgefühl oder Blendenwert. Es geht um Talent, um Technik, um das Training – aber auch um Neugier, Aufmerksamkeit, Empathie und Selbsterkenntnis. Ob du versuchst, den perfekten Pass zu spielen oder den perfekten Moment einzufangen – du bist in Bewegung, innerlich wie äußerlich.
Talent ist nur der Anfang
Viele glauben, dass Talent der entscheidende Unterschied sei. Der Fußballer, der schon mit fünf schneller dribbelte als andere rennen konnten. Die Fotografin, die schon in der Schulzeit ein Auge für Komposition hatte. Klar, Talent ist ein Geschenk. Aber es ist nur das: ein Anfang. Und zwar ein ziemlich launischer. Talent ohne Übung ist wie ein Ferrari ohne Benzin – hübsch anzusehen, aber nutzlos, wenn’s drauf ankommt.
Was wirklich zählt, ist das, was du daraus machst. Cristiano Ronaldo soll als Kind nicht der talentierteste gewesen sein. Aber er war der mit dem größten Willen. Derjenige, der vor dem Training kam und nach dem Training blieb. Und wie viele Fotograf*innen kennst du, die nicht mit der teuersten Kamera angefangen haben, sondern mit einem alten Ding vom Flohmarkt – aber dafür mit offenen Augen und großem Hunger?
Übung macht nicht perfekt – sie macht bereit
Übung bringt dich nicht nur weiter. Sie verändert dich. Mit jeder Wiederholung wird nicht nur dein Muskel besser, sondern auch dein Verständnis, deine Intuition, dein Gefühl für Timing. Der Fußballer spürt irgendwann, wann er den Ball loslassen muss, ohne nachzudenken. Die Fotografin spürt, wann sie abdrücken muss – auch ohne auf die Belichtungsskala zu schauen.
Üben heißt: du wirst Teil deiner Technik. Die Kamera wird zur Verlängerung deines Auges, wie der Ball zur Verlängerung des Fußes. Und das geht nicht von heute auf morgen. Es braucht Geduld. Und Demut. Du wirst Fehler machen. Du wirst frustriert sein. Du wirst am liebsten alles hinschmeißen. Und genau da – wächst du.
Aufmerksamkeit – der Muskel des Geistes
Im Fußball wie in der Fotografie gewinnt der, der hinschaut. Der die Lücken sieht, bevor sie sich schließen. Der die Bewegung erkennt, bevor sie sichtbar wird. Aufmerksamkeit ist ein Muskel. Du trainierst ihn durch Beobachtung, durch Präsenz. Du bist im Hier und Jetzt – nicht im Gestern, nicht in deiner To-Do-Liste.
Ein guter Fotograf sieht das Licht nicht nur – er fühlt es. Er nimmt die Körpersprache der Menschen wahr, ihre Spannung, ihr Unbehagen, ihre Offenheit. So wie der Fußballer nicht nur den Ball sieht, sondern das Spiel liest. Die Körpersprache des Gegners. Die Dynamik im Raum. Die Spannung im Moment.
Ausdauer – oder: Wer gehst du, wenn es schwer wird?
Ausdauer ist nicht nur körperlich. Sie ist mental. Es geht darum, weiterzumachen, auch wenn’s zäh ist. Wenn du das Gefühl hast, nichts klappt. Wenn deine Bilder langweilig sind. Wenn dein Spiel schwach ist. Wenn du verletzt bist – oder einfach leer.
Viele Fotograf*innen kennen diese Phasen. Du zweifelst. Du fragst dich: Warum mache ich das überhaupt? Und genau da – liegt der Schatz. Denn wer in solchen Momenten dranbleibt, wer nicht nachlässt, der entdeckt oft etwas Neues. Einen anderen Blick. Eine neue Richtung. Eine tiefere Schicht.
Technik – das unsichtbare Gerüst
Technik ist kein Selbstzweck. Du brauchst sie – aber sie darf dich nicht beherrschen. Sie ist das Fundament, nicht das Ziel. Der Fußballer trainiert Bewegungsabläufe, Pässe, Taktiken – damit er im Spiel frei sein kann. Die Fotografin lernt über Licht, Objektive, Nachbearbeitung – damit sie erzählen kann, was sie sieht und fühlt.
Aber Technik allein macht keine Magie. Sie ist nur dann wertvoll, wenn sie getragen wird von Persönlichkeit, von Intuition, von dem, was du ausdrücken willst. Technik ist wie Vokabular: Ohne Wörter kannst du nicht schreiben. Aber ohne Gedanken sind die schönsten Wörter leer.
Der wichtigste Gegner: Du selbst
In beiden Welten ist der härteste Gegner oft nicht der andere – sondern du selbst. Dein innerer Kritiker. Deine Ungeduld. Dein Ego. Deine Angst, nicht gut genug zu sein. Fußballer müssen lernen, mit Druck umzugehen – mit Kritik, mit Versagen, mit Erwartung. Fotograf*innen auch. Jeder Klick ist ein kleines Urteil über dich selbst.
Und doch: genau in dieser Auseinandersetzung wächst du. Du lernst dich kennen. Du erkennst deine Muster. Deine Schwächen. Deine Stärken. Und du lernst, mit ihnen zu arbeiten. Nicht gegen sie. Das ist vielleicht der größte Unterschied zwischen einem Anfänger und einem Profi – nicht das Können, sondern die Beziehung zu sich selbst.
Lernen – immer, immer, immer
Gute Fußballer hören nie auf zu lernen. Genauso wenig wie gute Fotograf*innen. Sie lesen. Beobachten. Probieren Neues. Hinterfragen sich selbst. Lernen aus Fehlern. Lernen voneinander. Lernen aus Geschichte, aus Kunst, aus anderen Kulturen. Denn beides – Fußball wie Fotografie – ist auch ein Spiegel der Gesellschaft. Der Zeit. Der Menschen.
Empathie spielt dabei eine große Rolle. Wer gute Porträts machen will, muss Menschen fühlen können. Wer ein Team führen will, muss sich in andere hineinversetzen können. Ob auf dem Platz oder durch den Sucher – du bist Teil einer Geschichte, die größer ist als du selbst.
Entwicklung ist kein Ziel, sondern ein Weg
Es gibt kein „Ankommen“. Kein „Jetzt kann ich’s“. Weder im Fußball noch in der Fotografie. Es gibt immer ein nächstes Level. Einen neuen Blickwinkel. Eine tiefere Einsicht. Entwicklung ist eine Haltung. Du bleibst neugierig. Wach. Offen. Auch für das, was du noch nicht weißt. Für das, was du falsch machst. Für das, was dich überraschen kann.
Vielleicht ist genau das das Verbindende: die Lust am Werden. Der Spaß an der Bewegung – innerlich wie äußerlich. Das Spiel mit dem Moment. Die Liebe zum Detail. Der Mut, immer wieder loszugehen. Auch wenn du nicht weißt, wohin.
